Die freiwilligen, organisierten Feuerweh­ren entstanden erst Mitte des vorletzten Jahr­hunderts. Die Frage tritt nun auf, wann wurde die freiwillige Feuerwehr in Winterbach ge­gründet? 

Nach einer vorliegenden Satzung der »Freiwilligen Feuerwehr Winterbach« vom 11. November 1921 ist ersichtlich, dass die Feuerwehr Winterbach 1880 gegrün­det wurde. Auch das Gemeinderatsproto­koll vom 30. November 1880 weist darauf hin. 

Ob schon vorher eine Art »Freiwillige Feuerwehr« bestand, konnte nicht ermit­telt werden. Vielleicht ist es auch schwie­rig, den Übergang von der Pflicht?Feuerwehr zur freiwilligen Feuerwehr genau festzustellen.

Feuerwagenhütte

Lange vor der satzungsgemäßen Grün­dung der Feuerwehr gab es hier einen Feuerschutz. Die Gemeinde muss auch schon verschiedene Löschgeräte besessen haben, denn im Jahr 1785 wird in einem Liegenschaftsverzeichnis der Gemeinde­grundstücke von einer Feuerwagenhütte auf dem Hundsgraben berichtet, in der ein Feuerwagen untergebracht war. 

Es heißt dort: „Eine 1770/71 neu erbaute Salpeter Hütten aufm Hundsgraben, wo ehedem die Feuer Wagen Hütte gestan­den an dem Kirchhof und der Gemeind gelegen, oben auf Conrad Hunden Haus, und unten des Flecken Hirten Haus sto­ßend." 

Nach diesem Eintrag hat also die Ge­meinde schon vor 1770 einen Feuerwagen besessen, der bestimmte Gerätschaften zur Brandbekämpfung enthielt.

Feuerwehr in Schlichten

Mit Sicherheit bestand damals noch keine freiwillige Feuerwehr. Andererseits sollte festgehalten werden, dass unser Nachbarort Schlichten im Jahr 1985 den 150. Geburtstag der Feuerwehr feierte. Diese Feuerwehr müsste 1835 gegründet worden sein. In dieser Zeit gehörte Schlichten als Teilgemeinde politisch zu Winterbach (von 1824?1849). 

Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass in der Teilgemeinde eine freiwillige Feuer­wehr bestand, während dies in der Haupt­gemeinde nicht der Fall war.

1. Feuerspritze 1789

Die Gemeinde Winterbach bzw. die Feuerwehr besaß schon im Jahr 1789, also vor 200 Jahren, eine Feuerspritze, die von dem Kupferschmied Elias Nüßle aus Schorndorf gefertigt wurde. Mit Sicher­heit war dies im damaligen Oberamt Schorndorf eine der ersten Feuerspritzen, denn Herzog Karl Eugen hatte im Jahr 1774 dem Kupferschmied und Feuersprit­zen?Macher Elias Nüßle aus Schorndorf die Erlaubnis erteilt, derartige Maschinen anfertigen zu dürfen. 

Die erste Spritze erhielt Schorndorf, danach folgten Urbach und Winterbach. Nüßle war übrigens auch ein Kunst­schmied. So hat er, wie Herr Reinhold Zeyher berichtet, u. a. die Schmiedearbei­ten zu unserem Neptunbrunnen geliefert. Bei der Spritze handelte es sich natürlich um keine Motorspritze, sondern um eine Spritze, die mit eigener Muskelkraft betä­tigt werden musste. 

Die Herstellungskosten betrugen 470 Gulden. Interessant sind die Bedingungen, die beim Kauf der Spritze festgelegt wurden. Aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 20. Mai 1789 wird berichtet: 

„Diejenigen Kosten, welche zur Anschaf­fung der bey dem allhier jetzt abgehalte­nen Vogt-Rug-Gericht oberamtlich anbe­fohlene Feuerspritze erfordert werden. In Gemäßheit belobten Vogt-Rug-Gericht­recesses hat man nun von Seiten des hiesi­gen Magistrats den Elias Nißlen Kupfer­schmied und privilegierten Feuerspritzen­macher von Schorndorf vor Gericht beschieden und mit demselben unter der Grundlage des von denen Ortsvorstehern in Urbach schon unterm 17. April 1780 mit ged. Nißlen getroffenen und gnädigst ratificierten und hiehero communicierten Accords die Verfertigung einer derglei­chen neuen Feuer-Spritzen, unter Vor­behalt gnädiger Oberamtl. Ratification folgendermaßen veraccordiert und zwar:

1. Das ganze Kasten und Wagen Werk von hartem Holz zu machen, nach dem Wagengestell einzurichten, mit 4 Rädern zu versehen, welche mit 4 ganz eisernen Ringen beschlagen seyn müssen.Den Kasten, welcher wenigstens 24 Württemberger Imi Waßer faßen soll, mit starkem Kupfer auszutäfeln, auch einen Waßerablauf darin zu machen. 

2. Dieses Werk mit 2 Stiefel von feinem Mößing, jeden 4 Zoll weit, und mit 2 Ventils zu versehen, woran 2 Kanäl und 1 kupferner Wendhahn versehen, in welchen man hineinlangen kann, um die Ventils heraus zu schrauben, ohne dass man das Werk aus dem Kasten heraus thun darf. 

3. In die Stiefel 2 Stimpfel zu machen, von ledernem Filß mit einer eisernen Stang und Schrauben. 

4. Ein Wind Rohr von feinem Mößing, nebst 2 Wendungen und Schrauben, auch 2 Calibers. 

5. Ein Schlauch Rohr auch von feinem Mößing, daran ein Schlauch mit Rohr kann geschraubt werden, wobey der Schlauch 6 Schu lang sein solle, und beede Rohr zugleich zu Lauf gebracht werden können, wozu ein mößener Hahn gehört, bei dem laufenden Rohr. 

6. Werden 4 kupferne Seyer gemacht, um unreinen Waßer Wiederstand zu thun. 

7. Das hölzerne Druckwerk mit 2 Flügel zu machen und solche die Eisen wohl zu beschlagen, darzu ein eisernes Gestell mit genugsamen guten Schrauben zu versehen. 

8. Rohrwerk und Stiefel sollen fein Mößing bekommen, die Stiefel gleich gebohrt werden, wie eine Kugelbüx. 

9. Solle der anfangs vorgeschlagene wei­tere Schlauch von 80 Schu dißmahl wegbleiben. 

10. Der Strohm mit einem starken An­schlag 120 biß 130 Schu hoch steigen, und zwar unabläßlich. 

11. Der Kasten muss mit guter Ölfarb dauerhaft angestrichen werden. 

12. Die Spritzen muss durchaus im ganzen so wie im besonderen in einem accura­ten Verhältnis stehen, auch der Be­dacht genommen werden, dass das Druckwerk soviel als möglich zum leichten ziehen eingerichtet werde. 

13. Dem Meister wird vor?hievor be­schriebenes gut und dauerhaft herstel­lendes Werk 470 Gulden (Vierhundert Siebzig), nebst 6 Gulden Trinkgeld von der Commun so zu bezahlen accordiert. 

Hingegen wird sich
14. vorbehalten, dass wenn das Werk in der Prob nicht dauerhaft und tüchtig erfunden werden sollte, der Meister solches behalten möge, derselbe auch auf 10 Jahre Gewährschaft leisten, dass wenn in solcher Zeit an dem Werk ein Schad oder Mangel erfunden würde, er solches zur Herstellung der Tüch­tigkeit und Dauerhaftigkeit des Werks ersetzen solle, wobey jedoch diejeni­gen Vorkommenheiten, woran der Meister keine Schuld hat billig aus­geschlossen seyn sollen. 

15. Was vor Kosten die Prob des Werks erfordert will die Commun auf sich nehmen, wenn sie solchens wird be­halten können. 

16. Der Termin zur Lieferung des Werks ist 1 viertel Jahr festgesetzt und werden dem Meister Abschlagszahlungen geschehen, wann derselbe sichere Caution dafür ausstellen wird. 

Die Festhaltung dieses Accords bestäti­gen, am 20. Mai 1789 Amtmann und Richter zu Winterbach."

Theuer
Elias Nüßle
Gauß J. Müller
alt Michael Erhardt
Andreas Hutt
Andreas Ballmer
Hanß Jerg Schnabel
Joh. Jakob Gräbenteich
Michael Heyland
Jh. Künzler
J. Michael Erhard
Johannes Schneider
Georg Jordan

Diese Spritze muss relativ groß gewesen sein, denn am 7.9.1837 wird berichtet, dass man in der Finkengasse wegen der Enge und den Dunglegen mit der Feuerspritze nicht wenden konnte.

2. Feuerspritze 1842

Im Jahr 1842/43 hat die Gemeinde eine 2. Feuerspritze angeschafft, die 433 Gulden 39 Kreuzer kostete. Wegen der schlechten Finanzlage der Gemeinde konnte diese Spritze nicht in einem Jahr bezahlt werden. Bei der Gemeinderechnung entstand durch den Kauf der Spritze ein erheblicher Abmangel. Zudem verursachte die Unterhaltung der alten Spritze auch laufend Kosten. Die Hälfte der Kosten der neuen Spritze mussten auf das Jahr 1843/44 übernommen werden. Man sieht aus dieser Sachlage, dass die Gemeinde in dieser Zeit fast keine Mittel für Neuinvestitionen hatte. 

Der Feuerwagen und die Spritze mussten von Pferden gezogen werden. Die Bauern waren verpflichtet, gegen Ersatz der Unkosten ihre Pferde zur Verfügung zu stellen. Für 2 Pferde wurde für einen Ein­satz 2 Gulden 30 Kreuzer ? und für 4 Pferde, wozu auch 2 Bauernnötig waren das Doppelte vergütet. 

Der Feuerwagen muss also sehr schwer gewesen sein, wenn vor diesen 4 Pferde gespannt werden mussten. Die Bedienung der Feuerspritzen erfolgte jeweils durch einen Handwerksmann.

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