Da hatten alle noch gut lachen - die gesamte Mannschaft vor dem Start
Da hatten alle noch gut lachen - die gesamte Mannschaft vor dem Start

Tower-Running. Das ist Neudeutsch für einen Treppenlauf -Wettbewerb. Wer macht das eigentlich? Sind das nicht nur Abgedrehte und Spinner? Bislang hätten dies zwölf Leute sicherlich so unterschrieben - wurden aber eines besseren belehrt. 

Wer bitte ist schon so bescheuert und rennt freiwillig unzählige Stufen gen Himmel wenn es im selben Gebäude einen Aufzug gibt der nicht nur schneller, sondern einem den Aufstieg auch viel bequemer macht? Und dann auch noch freiwillig? 

Solche und ähnliche Gedanken gehen einem durch den Kopf wenn man von einem Feuerwehrkameraden zum ersten Mal auf ein Event dieser Art unverblümt angesprochen wird. Und dieser dann auch noch meint, dass man spontan „Ja und Amen“ sagt.

Vielen fällt beim Thema Treppenlauf der Name Thomas Dold aus Wolfach ein. In kurzen Hosen, Funktionsshirt und Turnschuhen macht er sich auf und gewann so in den vergangenen vier Jahren den Empire State Building Run Up in New York. Immerhin 1.576 Stufen. Seine Bestzeit stellte er vor wenigen Wochen mit 10:07 Minuten auf. 

 

Im Startbereich war einiges los
Im Startbereich war einiges los

Ganz so weit geht es in Basel nicht hinauf. Der dortige Messeturm ist mit 105 Metern und 31 Stockwerken dennoch das höchste Gebäude der Schweiz. Von daher galt es beim 6. Basler Tower-Running „nur“ 542 Stufen in so kurzer Zeit wie möglich zu überwinden. 

Neben den klassischen Kategorien der Sport- und Eliteteilnehmer gibt es hier auch einen Teamwettbewerb, an welchem Feuerwehrmannschaften teilnehmen können. Das Treppensteigen hat in den Feuerwehren im Allgemeinen eine lange Tradition da zwangsläufig im Brandfall die Aufzüge in den Gebäuden nicht benutzt werden dürfen. Von daher also ein fast prädestinierter Wettbewerb unter dem Deckmantel „Fit For Fire Fighting“.

 

Neben den Schweizern und uns, waren auch Feuerwehren aus Frankreich am Start
Neben den Schweizern und uns, waren auch Feuerwehren aus Frankreich am Start

Entgegen den Sportlern absolvieren die Feuerwehrfrauen und -männer den Treppenlauf in voller Schutzausrüstung. Das heißt, neben dem schweren Feuerwehr-Schutzanzug bestehend aus Jacke und Hose sind Helm mit Nackenschutz, Schutzhandschuhe und Koppel zu tragen. Die Turnschuhe müssen gegen Feuerwehrstiefel ausgetauscht werden und ein Atemschutzgerät ist zusätzlich verpflichtend auf dem Rücken eines jeden Einzelnen zu tragen. Lediglich die Atemschutzmaske, welche zum Atmen mit den Druckluftflaschen benötigt wird, kann lose umgehängt werden. All dies ist notwendig um in der Feuerwehr-Wertung aufgenommen zu werden. Somit kommt ein Zusatzgewicht von rund 24 kg zusammen, welches unter diesen Umständen alles andere als angenehm zu tragen ist. 

Umso erstaunlicher war es, dass sich bei dem dann öffentlich gemachten Vorschlag bei einem Tower-Running-Wettbewerb mitzumachen spontan zwölf Kameraden zusammen gefunden haben, die diesen Schritt wagen wollten. Dies kann allerdings auch mit daran liegen, dass die Stimmung bei einer Hauptversammlung etwas lockerer und in großer Runde schneller Versprechen gemacht werden als einem eigentlich lieb ist. Dennoch, alle freiwilligen wurden in vier Teams zu je drei Mann für Basel gemeldet . Bei der Feuerwehr in Deutschland besteht ein Trupp aus zwei Einsätzkräften, in der Schweiz sind es drei und erklärt die für uns ungewöhnliche Anzahl der Teammitglieder. 

Trotz intensivsten individuellen Trainingseinheiten war es eigentlich klar, dass die Siegerzeit von 2008 eine große Hürde darstellt. 5:28 hat im vergangenen Jahr der schnellste Feuerwehrmann gebraucht und galt es zu Schlagen. Allerdings muss das Team gemeinsam die fast endlos erscheinenden Stufen meistern. So ist es der Langsamste, welcher das Tempo und somit die Endzeit des Teams bestimmt. Dennoch stand nicht das Gewinnen groß auf den Fahnen der Winterbacher Floriansjünger geschrieben sondern vielmehr war es das olympische Motto, welches in den Mitteilpunkt gerückt wurde. Wer allerdings rund 300 km Anreise hat, geht auch entsprechend motiviert an den Start. 

Das interne Ziel war es dann, dass jeder in der Einzelwertung unter 10:00 Minuten bleibt, was als Ergebnis eines Trainings im 20-stöckigen LBBW-Gebäude in Stuttgart als realistisch erschien. 

Dennoch waren alle im Team positiv überrascht dass fast alle sogar unter 8 Minuten geblieben sind. Ein Team der Winterbacher Wehr startete sogar mit angeschlossenen Atemschutzgeräten was in der Nachbetrachtung nur sinnig erscheint: Die hohe Temperatur im Treppenhaus sowie die trockene Luft waren für die weiteren neun Kameraden eher eine Qual.

Wenn man bedenkt, dass der schnellste Feuerwehrmann im vergangenen Jahr 5:28 Minuten für die Strecke benötigt hat, so war Mark Stößer mit seinen 5:36 Minuten in dessen Schlagweite. Doch leider war der schnellste Feuerwehrmann in diesem Jahr rund 1:20 Minuten schneller. 

Damit sich die lange Anreise auch lohnt dachte sich Jürgen Rörich, dass er zuerst in der Kategorie Sport an den Start geht um anschließend unter Atemschutz das Gebäude zu bezwingen. Mit 4:31,8 Minuten belegte er bei seinem ersten Start an diesem Tag einen beachtlichen 75. Platz. 

Das Brennen der Oberschenkel nach überwundenen 542 Stufen geriet bei dem wunderbaren Blick über Basel recht rasch in den Hintergrund und setzte trotz entsprechender Erschöpfung Glückshormone aufgrund des erreichten frei. 

Ach ja: Thomas Dold konnte den Streckenrekord des Lokalmatador Gabriel Lombriser zwar knacken, doch dieser selbst verbesserte seinen eigenen Rekord um 2,7 Sekunden und war somit mit 2:41,1 Minuten um 0,9 Sekunden schneller im Ziel als der Deutsche.

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse unserer Teilnehmer finden sich hier im Detail: Towerrunning Basel - Die Ergebnisse

Insgesamt kamen 196 Feuerwehrstarter in 65 kompletten Teams ins Ziel. Einige wenige mussten leider aufgeben. 

Unterm Strich war es der Besuch einer gelungenen Veranstaltung deren Reise in die Schweiz es allemal wert war. Eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten. Das nächste Highlight steht wenn man so möchte auch schon wieder auf dem Programm: Am 18. Oktober finden im Rahmen des Bottwartal-Marathon die Deutschen Meisterschaften der Feuerwehren im Marathon und Halbmarathon statt. Mal sehen, wie viele Kameraden hierfür zu begeistern sind. Bis dahin wird allerdings die Laufgruppe bei der einen oder anderen Veranstaltung in der näheren Umgebung am Start sein. 

Und sollte nun der ein oder andere Atemschutzgeräteträger - auch aus einer anderen Wehr -  heiß sein: 

Basel ist vom Süden der Republik aus noch recht gut zu erreichen und die An- und Abreisezeit ist vertretbar. Wer allerdings nicht unbedingt in den Süden fahren oder kein Jahr mehr warten möchte kann sich auch auf den Weg zur Firefighter Challenge nach Berlin oder dem Düsseldorfer SKYRUN begeben. Einfach mal drauf los googeln. Mit Sicherheit gibt es noch weitere attraktive Wettbewerbe in diesem Bereich. 

Zum Schluss noch was wichtiges: Wir Danken der Atemschutzwerkstatt in Fellbach sowie den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Urbach für das Bereitstellen von weiteren Atemschutzgeräten. Ohne deren Hilfe und dem Fehlen von 12 Atemschutzgeräten wäre der Brandschutz bei uns im Ort nicht mehr gewährleistet gewesen und wir hätten nicht an den Start gehen können. Zudem auch ein Dank an die Firma Schaal CNC Fertigungstechnik für das Stellen eines zusätzlichen Mannschaftswagens. Last but not least wollen wir uns auch recht herzlich für die Hilfe bedanken, welche aus den Reihen der Winterbacher Wehr kam. 

Weitere Bilder sowie die kompletten Ergebnislisten gibt es unter: www.towerrunning.ch

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