Der Ernstfall ist immer anders als eine Übung. Bei einem Wohnungsbrand herrscht eine ungewohnte Umgebung vor, Hitze und Rauch erschweren Arbeiten und Sicht, Aufregung und der Respekt vor den Flammen strapazieren die Einsatzkräfte. Um auf diese Situation besser vorbereitet zu sein und im Ernstfall nicht die Nerven zu verlieren, absolvieren die Einsatzkräfte der Feuerwehr Winterbach zusätzlich zum Übungsalltag regelmäßig spezielle Übungen. Aktuell gastiert wieder einmal die mobile Brandübungsanlage („Brandcontainer“) der EnBW in Winterbach und stellt eine realitätsnahe Übungsumgebung dar. 

Der Brandcontainer der EnBW
Der Brandcontainer der EnBW

 

In der hochmodernen Anlage können verschiedene Einsatzszenarien wie ein Zimmer-, Treppen-, Keller- oder Verteilerkastenbrand, Brand eines 20-kV-Verteilers, bis hin zum Gasleitungsbrand simuliert und nachgestellt werden. Hierfür verfügt der "Brandcontainer" über mehrere Brandstellen und Rauchanlagen. Mit einer Hitze von 300-600 °C herrschen dabei reale Bedingungen um eine einsatznahe Ausbildung zu gewährleisten. Auch sogenannte „Flash-Over“ (große Rachgasdurchzündungen) können ausgelöst werden.

Vorsichtig prüfen die Einsatzkräfte die Temperatur der Tür
Vorsichtig prüfen die Einsatzkräfte die Temperatur der Tür
Innen herrscht eine enorme Hitze
Innen herrscht eine enorme Hitze
Es wird ein Gasleitungsbrand simuliert...
Es wird ein Gasleitungsbrand simuliert...
Simulation eines Flash-Over
Simulation eines Flash-Over

Schon beim Öffnen der Eintrittsluke auf dem Dach des Brandcontainers wird eine kräftige Durchzündung eingespielt und im Treppenhaus lodert eine weitere Brandstelle. Die Feuerwehrmänner müssen sich überwinden, hautnah werden sie mit den lodernden Flammen konfrontiert, eine scheinbar unerträgliche Hitze steigt auf, dichter Rauch behindert die Sicht. Keiner kneift, alle gehen an ihre persönliche Leistungsgrenze.

Mit voller Ausrüstung in den Brandcontainer

Für den Einsatz eines jeden ist die volle Montur Voraussetzung, das heißt: Schutzanzug mit Überjacke, Atemschutzmaske, Brandschutzhaube, Helm, Handschuhe, Sicherheitsstiefel und das knapp 20 Kilogramm schwere Atemschutzgerät. Wer den Feuerschutz nicht exakt anlegt, die Atemschutzmaske nicht gut von der Flammschutzhaube umschlossen trägt und die Jacke nicht bis zum Anschlag zu hat, der wird dies sehr schnell und empfindlich spüren. Die Feuerwehrleute sind körperlich eingeengt, nicht so beweglich. Spätestens beim Öffnen der Tür in den Brandcontainer, wenn die erste Rauchdurchzündung den Teilnehmern entgegenschlägt ist vergessen, dass es sich hierbei nur um eine Übung handelt. Es entsteht eine reale Stresssituation, in der der Körper innerhalb weniger Minuten bis zu zwei Liter Flüssigkeit verliert. Es kostet Überwindung, aber im Ernstfall müssen die Feuerwehrleute auch in das Gebäude hinein gehen.

In gebückter Haltung rücken die Trupps, bestehend aus zwei Atemschutzträgern, vor. Das computergesteuerte Gasfeuer brennt zum Teil bis unter die Decke. Deutlich spüren die Wehrmänner die Hitzebelastung und die Wirkung von Wasserdampf bei diesen Temperaturen. Übungsziel ist es, den Geräteträgern unter Aufsicht die eigenen Grenzen aufzuzeigen, sie an die Wärme zu gewöhnen und die Schutzausrüstung und Einsatztechnik auszuprobieren. Kritische Situationen erkennen und sich selbst nicht zu überschätzen ist gerade für die jüngeren Atemschutzträger sehr wichtig, zumal seit Jahren der größte Teil der Einsätze im Bereich der technischen Hilfeleistungen wie zum Beispiel bei Unfällen und Hochwasser-Einsätzen liegt und somit reale Erfahrungen fehlen.

Vom Regieraum aus wird der Einsatz gesteuert und beobachtet. Die Einstellbarkeit von Flammengröße, Rauchintensität, aufzubringende Löschmittelmenge sind dabei nur einige Beispiele für vorwählbare Parameter. Beim geringsten Fehler, zum Beispiel wenn ein Feuerwehrmann sich aufrichtet, erfolgt die gnadenlose "Bestrafung": Der Mann am Kontrollpult drückt auf den Knopf und ein "Flash-Over", eine kräftige Rauchdurchzündung, wird ausgelöst. Alles, was eben noch abgelöscht wurde steht wieder in Flammen. Von Seiten der Betreiber wird bei den Übungen sehr viel Wert auf die Sicherung des Rückweges gelegt. Bei einem solchen Training kann man hier Fehler korrigieren – im Ernstfall hätte der Feuerwehrmann verloren. Hier ist der genannte „Flash-Over“ eine der größten Todesfallen: in den heutzutage so gut isolierten Häusern und Wohnungen findet kein Wärmeaustausch mehr nach außen statt. Selbst bei dem augenscheinlich relativ harmlosen Brand eines Sessels können hier rasch Temperaturen im Raum von 650 Grad entstehen. Dies ist bei geschlossener Tür nach ca. 10-12 Minuten der Fall. Genau dem Zeitpunkt, zu dem die Feuerwehrmänner vor der Raumtüre stehen. Wenn diese dann die Türe öffnen, entsteht durch die Zufuhr von Sauerstoff eine schlagartige Entzündung der Rauchgase und somit eine Explosion. Bislang kennen dieses Szenario die meisten Feuerwehrangehörigen nur aus der Theorie und genau durch solch ein Training kann das Risiko letztlich erheblich gemindert werden.

 

Wir danken der EnBW für das Bereitstellen der Übungsanlage / Brandcontainer.

 

 

 

"Treppenhaus" der Anlage
"Treppenhaus" der Anlage
Brandraum in welchem verschiedene Szenarien simuliert werden können
Brandraum in welchem verschiedene Szenarien simuliert werden können
Atemluftflaschen sind enorm wichtig für die Einsatzkräfte
Atemluftflaschen sind enorm wichtig für die Einsatzkräfte
Flash-Over
Flash-Over
Flash-Over
Flash-Over
Einstieg über das Dach des Containers
Einstieg über das Dach des Containers
Türöffnung an der Seite der Anlage
Türöffnung an der Seite der Anlage
Kampf gegen die Flammen im Innern
Kampf gegen die Flammen im Innern
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