Wer den Ernstfall nicht  geprobt hat, der setzt sich einem hohen Risiko aus, wenn’s tatsächlich ernst wird.

Der Brandcontainer von außen
Der Brandcontainer von außen

Schon beim Öffnen der Eintrittsluke auf dem Dach des Brandcontainers wird eine kräftige Durchzündung eingespielt und im Treppenhaus lodert eine weitere Brandstelle. Der Satz „Jungs, zieht euch warm an, denn da unten ist es verdammt heiß“ erscheint trotz seiner widersprüchlichen Aussage in einem ganz anderen Licht. Die Feuerwehrmänner müssen sich überwinden, hautnah werden sie mit den lodernden Flammen konfrontiert, eine scheinbar unerträgliche Hitze steigt auf, dichter Rauch behindert die Sicht. Keiner kneift, alle gehen an ihre persönliche Leistungsgrenze. 

Die Bedeutung des Atemschutzes bei den Feuerwehren steigt ständig. Fortschrittliche Technik und strenge Sicherheitsmaßnahmen haben Brandfälle in der heutigen Zeit mehr und mehr zur Ausnahmesituation gemacht. Da der Einsatz fast immer mit vielen Gefahren verbunden ist bei dem jeder Handgriff sitzen muss und somit gefährliche Situationen gemeistert werden müssen, ist das Training des Ernstfalls vor dem eigentlichen die beste Lebensversicherung. Nicht nur bei Industriebränden und Unfällen mit offensichtlich gefährlichen Stoffen ist dieser Selbstschutz unabdingbar. Schon bei kleineren Wohnungsbränden kann heute nicht mehr auf den Atemschutz verzichtet werden. Fast überall gibt es Stoffe, die beim Brand gefährliche Atemgifte entwickeln.

Anschließen des Atemschutzgerätes...
Anschließen des Atemschutzgerätes...
...und ab in die Flammen!
...und ab in die Flammen!
Im Inneren wird der Ernstfall geübt
Im Inneren wird der Ernstfall geübt
Flammen und enorme Hitze
Flammen und enorme Hitze

Auf diese Situation werden derzeit die Feuerwehrleute aus dem Rems-Murr-Kreis vorbereitet. In einem knapp 14 Meter langen „Jumbo“-Brandcontainer der Firma National Fire Training Systemswird der Innenangriff bei verschiedenen Bränden (Wohnungs-, Werkstatt- und Industriebrand) simuliert. Bei einer „heißen Brandbekämpfung“ lassen sich die Entwicklung eines Brandes sehr gut beobachten und das Verhalten der Löschkräfte kann analysiert werden. Die Feuerwehr ist der einzige Bereich, in dem bei jedem Einsatz professionelles Handeln erwartet wird, dem man aber nicht ohne weiteres gestattet, das professionelle Handeln auch zu üben. Die Zeiten, in denen ein Feuer gemacht wurde um zu trainieren, sind längst aus Gründen des Umweltschutzes auch zurecht vorbei und andere Möglichkeiten mussten geschaffen werden. Im mobilen, mit Propangas (verbrennt rückstandslos) befeuerten Brandhaus herrschen diese recht realistischen Einsatzbedingungen.

Für den Einsatz eines jeden ist die volle Montur Voraussetzung, das heißt: Schutzanzug mit Überjacke, Atemschutzmaske, Brandschutzhaube, Helm, Handschuhe, Sicherheitsstiefel und das knapp 20 Kilogramm schwere Atemschutzgerät. Wer den Feuerschutz nicht exakt anlegt, die Atemschutzmaske nicht gut von der Flammschutzhaube umschlossen trägt und die Jacke nicht bis zum Anschlag zu hat, der wird dies sehr schnell und empfindlich spüren. Die Feuerwehrleute sind körperlich eingeengt, nicht so beweglich. Spätestens beim Öffnen der Brandraumtür, wenn die erste Rauchdurchzündung den Teilnehmern entgegenschlägt ist vergessen, dass es sich hierbei nur um eine Übung handelt. Es entsteht eine reale Stresssituation, in der der Körper innerhalb weniger Minuten bis zu zwei Liter Flüssigkeit verliert. Es kostet Überwindung, aber im Ernstfall müssen die Feuerwehrleute auch in das Gebäude hinein gehen.

Für die Floriansjünger ist es besonders wichtig, Ruhe zu bewahren und überlegt zu handeln. Im verrauchten Brandraum herrschen Temperaturen von bis zu 300 Grad. In gebückter Haltung rücken die Trupps, bestehend aus zwei Atemschutzträgern, vor. Das computergesteuerte Gasfeuer brennt zum Teil bis unter die Decke. Deutlich spüren die Wehrmänner die Hitzebelastung und die Wirkung von Wasserdampf bei diesen Temperaturen. Übungsziel ist es, den Geräteträgern unter Aufsicht die eigenen Grenzen aufzuzeigen, sie an die Wärme zu gewöhnen und die Schutzausrüstung und Einsatztechnik auszuprobieren. Kritische Situationen erkennen und sich selbst nicht zu überschätzen ist gerade für die jüngeren Atemschutzträger sehr wichtig zumal seit Jahren der größte Teil der Einsätze im Bereich der technischen Hilfeleistungen wie zum Beispiel bei Unfällen und Hochwasser-Einsätzen liegt und somit reale Erfahrungen fehlen.

Vom Regieraum aus wird der Einsatz gesteuert und beobachtet. Die Einstellbarkeit von Flammengröße, Rauchintensität, aufzubringende Löschmittelmenge sind dabei nur einige Beispiele für vorwählbare Parameter. Beim geringsten Fehler, zum Beispiel wenn ein Feuerwehrmann sich aufrichtet, erfolgt die gnadenlose "Bestrafung": Der Mann am Kontrollpult drückt auf den Knopf und ein "Flash-Over", eine kräftige Rauchdurchzündung, wird ausgelöst. Alles, was eben noch abgelöscht wurde steht wieder in Flammen. Von Seiten der Betreiber wird bei den Übungen sehr viel Wert auf die Sicherung des Rückweges gelegt. Bei einem solchen Training kann man hier Fehler korrigieren – im Ernstfall hätte der Feuerwehrmann verloren. Hier ist der genannte „Flash-Over“ eine der größten Todesfallen: in den heutzutage so gut isolierten Häusern und Wohnungen findet kein Wärmeaustausch mehr nach außen statt. Selbst bei dem augenscheinlich relativ harmlosen Brand eines Sessels können hier rasch Temperaturen im Raum von 650 Grad entstehen. Dies ist bei geschlossener Tür nach ca. 10-12 Minuten der Fall. Genau dem Zeitpunkt, zu dem die Feuerwehrmänner vor der Raumtüre stehen. Wenn diese dann die Türe öffnen, entsteht durch die Zufuhr von Sauerstoff eine schlagartige Entzündung der Rauchgase und somit eine Explosion. Bislang kennen dieses Szenario die meisten Feuerwehrangehörigen nur aus der Theorie und genau durch solch ein Training kann das Risiko letztlich erheblich gemindert werden.

Schrittweise arbeiten sich die Männer im Container vor, löschen verschiedene Brandherde unter der Treppe, in einem Regal und im Elektroschrank. Aus den von außen betrachteten 14 Metern des Aufliegers eines Sattelschleppers ist ein schier endloser Weg geworden. Der Rückzug, bei dem es immer wieder zu Rückzündungen kommen kann, wird erst angetreten, wenn das letzte Feuer in einem weiteren Brandraum gelöscht wurde. Eine Industrieanlage ist hier nachgebaut, bei dem der Schieber einer Gasleitung geschlossen werden muss. Theoretisch kann nun „Feuer aus“ gemeldet werden – wenn da nicht noch der lange Weg zurück zur Treppe wäre. Wie meinte der Ausbilder einer anderen Gruppe „Ihr könnt euch anstrengen wie ihr wollt  - wann das Feuer aus ist, bestimme ich“.

Nach etwa einer 15-minütiger Brandbekämpfung klettern die Trupps aus dem kleinen Brandhaus wieder ans Tageslicht. Zwar völlig erschöpft und durchnässt - aber um eine wichtige Erfahrung reicher. 

Für dieses doch recht kostenintensive Training und die Übernahme der Kosten möchten wir, die Freiwillige Feuerwehr, uns recht herzlich bei der Gemeindeverwaltung Winterbach, insbesondere Herrn Bürgermeister Ulrich, bedanken. Anhand der vielen genommenen Urlaubstage der 31 Teilnehmer kann man gut erkennen, wie wichtig es den Atemschutzträgern ist, gesund und ohne Blessuren von jedem Einsatz zurück zu kehren und hierbei auch noch hoffentlich das Leben der in Gefahr befindlichen Person(en) gerettet zu haben.

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